
Wu Huangji
„Erwachen“
Reihe: Rückkehr nach Osten
Verlag: BoD (Books on Demand)
ISBN: 9-783-695-14411-2
Länge: 562 Seiten
– gelesen im Januar 2026 –
Dieses Buch wurde mir von der Autorin persönlich zur Verfügung gestellt. Hierfür bedanke ich mich recht herzlich, zumal es auch wirklich selten ist, dass man als so kleiner Blog, wie dieser hier, ein physisches Buch bekommt. – Meine Meinung hat dieser Umstand aber nicht beeinflusst.
Klappentext: Ein Artefakt, das die Vergangenheit öffnet, und eine Heldin, die ihren Weg neu entdeckt.
Xiyuan hat ihr Leben in Deutschland aufgebaut, doch die Sehnsucht nach ihren chinesischen Wurzeln begleitet sie seit ihrer Kindheit. Als sie ein geheimnisvolles Siegel entdeckt, zerbricht die Grenze zwischen Gegenwart und Vergangenheit und ein längst vergessener Ruf erreicht sie.
Auf ihrer Reise begegnet sie Menschen und Mächten, die jede vertraute Gewissheit infrage stellen. Stück für Stück öffnet sich ihr eine Welt, in der Geschichte, Kultur und Magie untrennbar miteinander verwoben sind.
Gemeinsam mit einem kleinen Team, das unverzichtbar wird, stellt sich Xiyuan Rätseln, die weit über das Greifbare hinausreichen. Doch je tiefer sie eintaucht, desto klarer wird: Die Wahrheit über ihre Herkunft ist erst der Anfang.
Eine atmosphärische Fantasy über Identität, Mut und das Erwachen der eigenen Geschichte geheimnisvoll, berührend und voller Entdeckungen.
Wohin führt die Reise, wenn die Vergangenheit dich selbst verändert? (Quelle: Lovelybooks.de)
Inhalt: Xiyan, die Protagonistin, ist eine junge Frau, welche aus China adoptiert wurde, in Deutschland aufwuchs, sich aber schon immer für ihre Wurzeln und somit auch die chinesische Kultur und Lebensweise interessiert. Nach der Hochzeit hat sie ihren Job aufgegeben und widmet sich, neben ihrer Sammelleidenschaft für chinesische Kunstgegenstände und Antiquitäten, ganz dem Hausfrauendasein.
Mit diesem ruhigen Leben ist es aber in dem Moment vorbei, als sie dieses geheimnisvolle und begehrte chinesische Siegel sogar geschenkt bekommt, wofür sie bereit war, eine ganze Menge Geld auf den Tisch zu legen. – Zu dem Siegel bekommt sie auch einen Verbündeten für ihre Suche, der im Hintergrund und im Verborgenen agiert, neue Kontakte, die zu neuen Begegnenungen und neuen Erkenntnissen führt.
Die Reise beginnt. Xiyan macht sich nun nicht mehr nur theoretisch auf die Suche nach ihren Wurzeln, sondern geht ohne ihren Mann auf Reisen, um tiefer in die chinesische Kultur- und Sagenwelt einzutauchen und so etwas über ihre Wurzeln zu erfahren.
Fazit: Wie gesagt, mir wurde das Buch kostenlos als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt und ich war schon ziemlich überrascht, als es sich dann wirklich um ein physisches Buch handeln sollte, was ich bekommen haben. – Hinter diesem Werk muss also, meiner Meinung nach, eine Autorin stehen, die noch mit Herzblut bei der Sache ist und nicht auf den reinen Kommerz aus.
Die Autorin „Huangji Wu“ ist tatsächlich eine gebürtige Chinesin, die aber seit dem Jahr 2000 im Umland von München ihr neues zu Hause gefunden hat. Trotzdem sie in Deutschland lebt, hat sie den Bezug zu ihrer chinesischen Kultur nie verloren und man merkt ganz deutlich, dass dieser Einfluss ihr Debüt sehr stark beeinflusst.
Im ganzen Buch hat es lediglich einen einzigen Handlungsstrang, der dann aber ausführlich, gelegentliche zu ausführlich, durch die Handlung führt und den Leser in wirklich wundersame, zauberhafte und fast mythologisch anmutende Szenen führt.
Ich musste ja ein wenig schmunzeln, dass die auch China stammende Protagonistin jetzt ausgerechnet Müller heißt. Der wohl deutscheste Familienname, den man einer Person geben kann. Aber so wird eben klar, dass sie als Chinesin in Deutschland angekommen ist. Ihr Leben läuft und sie hat eben lediglich ihre Wurzeln nicht vergessen. Der komplette Hintergrund der jungen Frau wird ja auch aufgeklärt. Da bleiben keine Fragen offen.
Es braucht eine Weile, bis es so richtig los geht und am Anfang wusste ich nicht so wirklich, was ich von der Story halten sollte. Die Sache hat sich aber entwickelt und der erste Wegbegleiter, in Form des Besitzer dieses Siegels, kommts ins Spiel. Hier kamen bei mir die ersten Fragen auf, es begann, dass die Handlung zum Teile wirklich sehr tief in die chinesische Mythologie oder Sagenwelt abzutauchen begann und mir wurde klar, dass es hier wohl dann jetzt so richtig losging.
Wie gesagt, die Handlung selber besteht aus einem einzigen Handlungsstrang, der aber ist sehr intensiv. Intensiv in dem Sinne, dass man wirklich sehr tief in eine magische Welt eintaucht, die sich fast so anfühlt, als wäre es tatsächliche chinesische Mythologie oder Sagen. – In einer Art Disclaimer steht aber, dass die Geschichte rein fiktiv ist. Ich gehe also mal davon aus, dass Wu hier wirklich alles aus ihrer Fantasie geholt hat und keine Sagen oder sowas verarbeitet hat. In jedem Fall ist es Stellenweise einfach nur magisch, als die Personen mit einer magischen alten Schubkarre aus Holz um die halbe Welt fahren oder fliegen, dann geht es tief in die geistige Welt von Meditation oder Buddhismus und dann kommen mehr und mehr magische Gegenstände, ein geheimer Markt und andere Dinge mit ins Spiel. Stellenweise lustig fand ich das sprechende magische Holzkästchen, was die Protagonistin durch die Handlung begleitet und mit seinen Aussagen öfter mal für Lacher oder Überraschungen sorgt.
Die Protagonistin selber ist von der Person her, eigentlich recht interessant. Allein hier Hintergrund sorgt für viele Fragen. Aber in der Handlung wird dann vieles, was sie instinktiv weiß und kann mal eben so als selbstverständlich abgetan. Sie fragt sich zwar öfter mal kurz, warum sie jetzt dieses oder jenes kann oder weiß, aber eine rechte Antwort hat sie darauf noch nicht.
Da es sich bei diesem Buch um einen Reihenauftakt handelt, die nächsten Bände sind wohl in Planung oder schon geplant und müssen noch geschrieben werden, ist natürlich die komplette Handlung hier noch nicht zu einem Ziel gekommen. Ich würde mal sagen, die Protagonistin hat ein Etappenziel erreicht und schon einiges an Erkenntnissen gewonnen. Sie hat eine ganze Menge mehr oder weniger hilfreiche Begleiter auf ihrer Suche bekommen und scheint sich von ihrem Ehemann entfernt zu haben. Diese Rolle geht mir leider etwas unter, als dass ich die große Liebe der beiden noch glauben könnte. Aber das klärt sich dann vielleicht auch in den nächsten Bänden noch auf.
Das Taschenbuch ist 562 Seiten dick, aber mit einem recht großen Zeilenabstand und einer angenehm großen Schrift gedruckt. Rein optisch lies sich das Buch sehr gut lesen. – Am Anfang bin ich vor dem dicken Wälzer ein wenig zurückgeschreckt, weil er eben die für mich magische 400 ganz schön überschritten hat. Am Ende hat sich das aber alles als halb so schlimm herausgestellt. Ich bin sehr gut voran gekommen und war recht schnell durch.
Leider hatte ich beim Lesen kein Kopfkino vor meinem geistigen Auge. Dazu war mir das alles irgendwie zu fremd, denke ich mal. Ich bin in der chinesischen Kultur absolut gar nicht bewandert und habe keine Ahnung, was jetzt etwas Besonderes ist und was Alltag. Das hat mir in gewisser Weise auch einen Teil der Faszination genommen. – Sehr schade eigentlich, aber kein Beinbruch, da ich der Handlung trotz allem ganz gut folgen konnte.
Leider waren manche Stellen ein wenig zu ausführlich beschrieben. Wenn ich ein und denselben Vers wirklich 4-mal in einem Buch lesen muss, mit dem ich dann am Ende nichts anfangen kann, verleitet mich das sehr dazu, diese Textstelle dann zu überlesen. Auch wenn eine handelnde Person jetzt husten musste oder so etwas, fand ich das sehr seltsam geschrieben. In dem Moment hat mir das Bild gefehlt, wo eine hustende Person dargestellt wird und eben „hust… hust… hust….“ in einer Sprechblase darüber steht.
Ich glaube, dass die Story mit den nächsten Bänden noch großartiger und vor allen Dingen vollständiger werden kann. So als Einzelband stellt das Buch schon einmal einen gelungenen und vor allem in seinem Stoff neuen Anfang dar. Eine fantastische Welt mit chinesischen Einflüssen, wie ich es so bisher noch nicht gelesen habe.
Ich bewerte das Buch mit 4 von 5 möglichen Sternen.
Den einen Stern Abzug gibt es, weil ich leider kein Kopfkino hatt und das macht für mich schon irgendwie einen essentiellen Teil der Faszination für ein Buch aus. – Ich möchte aber noch einmal betonen, dass das Buch deswegen nicht schlecht ist. Es ist einfach nur andersartig, neu und so noch nicht auf dem Markt. Es ist kein Fehler, dieser Story eine Chance zu geben, denn es können sich hier wirklich auch neue Denkansätze ergeben und neue Welten eröffnet werden.





