
Cornelia Lotter
„Die Schande der anderen“
Verlag: GD Publishing
EAN: 9-783-989-83020-2
Länge: 4 Stunden 5 Minuten
Sprecherin: Janna Ambrosy
– gehört im Mai 2025 –
Es war mal wieder Zeit für ein Hörbuch. Jeden Montag auf Arbeit, wird eins gestartet. Das macht den Montag fast zu einem Tag, auf den ich mich freue.
Klappentext:
Anneliese ist schon als Jugendliche recht freizügig mit ihrem Körper. Die Schule ist eher nicht so ihr Ding. Das kann ihr bei den Nazis zum Verhängnis werden. Wegen »angeborenem Schwachsinn« wird sie, die sich doch immer eine eigene Familie gewünscht hat, zwangssterilisiert. Doch das Verhängnis nimmt seinen Lauf. Als 1940 polnische Zwangsarbeiter auf das Gut kommen, auf dem sie als Landarbeiterin beschäftigt ist, verliebt sie sich in den sanften Pavel. Das bleibt nicht lange unentdeckt. Die junge Frau findet sich, kahlgeschoren, in einem mittelalterlichen Käfigpranger wieder. Zur Schau gestellt, angespuckt und beleidigt. Doch was wird aus Pavel? Eine wahre und berührende Geschichte aus der dunkelsten Zeit des letzten Jahrhunderts. (Quelle: Thalia.de)
Inhalt:
Anneliese hat eine typische Kindheit für diese Zeit. Auf dem Land fühlt sie sich lieber den Hühnern und Enten verbunden, als der Schule. In der Schule zeigt sie wenig Interesse und hat ihre Schwierigkeiten. Ihr Körper hingegen, weiß sie schon früh zum Verdienen des einen oder anderen Groschens einzusetzen. – Genau das wird ihr dann aber mit der Machtergreifung zum Verhängnis. Ein Nutznießer ihrer damaligen, unbedarften Freizügigkeit denunziert sie und sie muss sich von jetzt auf gleich einem IQ-Test unterziehen, der sie als schwachsinnig einstuft. Anneliese wird zwangssterilisiert und hat das zweifelhafte Glück, den Eingriff und die Folgen zu überleben.
Das Leben geht weiter. Anneliese tritt eine Stelle auf einem Landgut an, wo ihr die Arbeit Spaß macht. Sie lernt einen Mann kennen, der sie trotz ihrer Sterilisation heiratet und dann wird er an die Front eingezogen.
Ebenfalls auf dem Gut befinden sich polnische Zwangsarbeiter. Der Kontakt mit ihnen ist verboten, doch Pawel schleicht sich in das Herz von Anneliese. Sie kommen sich nah, zu nah und schon ist eine weitere Denunziation passiert.
Anneliese findet sich mit rasiertem Kopf am Pranger wieder. Wie im Mittelalter wird sie beschimpft und aus der Gemeinschaft ausgestoßen. – Jedoch ist ihr Schicksal vergleichsweise harmlos zu dem von Pawel.
Anneliese überlebt den Krieg, Pawel nicht. – Anneliese ist keine fiktive Figur. Genau dieses Schicksal gab es wirklich, nur dass die Namen geändert wurden.
Fazit:
Schon das Cover dieses Buches lässt nichts Gutes erahnen. Man sieht den mittelalterlichen Pranger, mit dem die Protagonistin dieses Buches unfreiwillige Bekanntschaft macht.
Was die Handlung angeht, hatte ich absolut keine Vorstellung, um was es gehen sollte. Mir war nur bewusst, dass Frau Lotter historische Romane schreibt und sich auf Geschehen im und rund um den Zweiten Weltkrieg spezialisiert hat. – Ich bin also recht unbedarft an die Sache herangegangen und hatte absolut keine Erwartung, was hier auf mich zukommen würde. Allerdings hat sich das Buch dann doch so Stück für Stück in meine Empfindungen geschlichen.
Zunächst lernen wir die Protagonistin als Kind kennen. Sie scheint ein typisches Landleben für diese Zeit zu führen. Sie mag eben das Federvieh, was ich jetzt absolut nicht als anstößig sehen würde. Warum denn auch. Dann kümmert sie sich eben darum, wenn es ihr so liegt. – Dass sie dann zunächst unter dem Druck ihres Bruders anfängt, ihren Körper für Geld herzuzeigen, habe ich jetzt auch noch nicht als Problem gesehen. Der Bruder schien mir ein Nazist zu sein. Gegen sowas kommt man nicht an. Wie soll es dann so ein kleines, unbedarftes Mädchen schaffen. Auch nicht, als der Bruder dann auch seine Freunde anbringt, habe ich dann ein Problem aufkommen sehen.
Dass die Protagonistin in der Schule nicht so zurecht kommt, war eben so. Sie war dann wohl schon immer eine Person, die lieber mit den Händen, statt mit dem Kopf arbeitet. Da ist absolut nichts dabei. – Wird aber aufgrund der Nazis dann zu Problem.
Die Stimmung bei diesem Test, den Annelies von jetzt auf gleich machen muss, war schon sehr bedrückend und ich habe sie bereits bei der Aktion T4 gesehen. – So schlimm war es dann nicht. Es wurde „nur“ eine Zwangssterilisation.
Das Leben geht weiter. Mit einer Stelle auf einem Landgut hat sie dann wohl für sich das große Los gezogen. Dass sie dann einen Mann bekommt, trotz ihrem Makel, war großes Glück und dass der Krieg dann zuschlägt, war abzusehen.
Die entstehende Zuneigung zu dem Zwangsarbeiter ist menschlich. Das daraus resultierende Schicksal für beide Beteiligten mehr als grausam. – Die Nazis und ihre Ideologie waren schon ein Kreuz und haben nicht nur andere Länder in Mitleidenschaft gezogen, sondern auch das eigene Volk.
Das Buch war am Anfang einfach harmlos. Im Laufe der Handlung habe ich anfangs immer mehr erahnt und später ist das dann zum Teil auch eingetreten. Harmlose kindliche Handlungen wurden später zum Problem, weil sich da jemand hervortun musste und die dann junge Frau denunziert hat. – Ab dann habe ich das ganze Buch über dieses Damoklesschwert über der Protagonistin hängen sehen. Und es hat wirklich noch einmal zugeschlagen …
Die Sprecherin hat alles in einem angenehmen Tempo vorgelesen. Unaufgeregt und doch irgendwie ergreifend hat sie dem Text durch ihre Art noch einmal eine gewisse Tiefe verliehen und zusätzliche Spannung aufgebaut.
Was Fiktion und was Wahrheit an dieser Geschichte war, klärt die Autorin in ihrem Nachwort auf. Und hier ging es mir durch Mark und Bein, als ich erfuhr, dass die Protagonistin das alles auch noch genau so erlebt hat.
Ich bewerte das Buch mit 5 von 5 möglichen Sternen.
Eine Geschichte, die durch Mark und Bein geht, eine Protagonistin, die das alles genau so erlebt hat und eine Sprecherin, die dem Text nur durch ihre Art noch einmal zusätzliche Tiefe verleiht. – Ein rundum gelungenes und ergreifendes Buchpaket.






