[Etüde] Wiedersehen 4

Eine Etüde zur Schreibeinladung für die Wochen 46 und 47 /2022

3 Begriffe, maximal 300 Wörter

Die Wortspende für die Textwochen stammt von Blaupause7. Sie lautet:

Rolle
halbherzig
belohnen

Schreibeinladung 46/47- 2022

„Hallo Harald!“ Der Chef begrüßt seinen alten Mitarbeiter mit einem warmen Händedruck. „Setz dich!“
Harald lächelt verlegen. „Danke.“
Der Chef sieht Harald an. Dann sagt er: „Ich will es wie Rolf halten und nicht lang um den heißen Brei herumreden. Dieses Gespräch hier spielt überhaupt keine Rolle. Es ist nichts als ein Alibi für den Betriebsrad. Wenn du wieder hier arbeiten willst, dann gern. Direkt ab Montag, wenn du willst.“
Harald windet sich auf dem Stuhl. Er lächelt halbherzig und nickt. „Ich will aber nicht, dass es deswegen Probleme gibt. Die Stelle hätte schon längst wieder besetzt sein können …“
Der Chef lächelt: „Die Stelle ist aber nicht wieder besetzt. Die Anforderungen sind zu speziell, das hat sich niemand zugetraut. Du hast das Ding von Grund auf selber hochgezogen und ans Laufen gebracht. Du bist drin in der Materie. Dein System, deine Kenntnisse und dein absolut zuverlässiges Gespür für Material und Qualität sind unschlagbar!
„Naja, wenn man so gelobt wird, kann man nicht anders. Vielen Dank, wo ist der Vertrag?“ Harald wird selbstsicherer.
Der Chef streckt sich: „Die Sache hat einen Haken: Ich will dich für die Unterschrift mit einem Ausbilderschein belohnen. Du sollst dein Wissen weitergeben. Du wirst in Zukunft Hilfe brauche. Wir stocken auf, also hast du auch mehr zu prüfen. Du bildest dir deine Abteilung quasi Stück für stück selber aus. Was meinst du?“
Harald strahlt. Mit einer Unterschrift bekommt er eine neue Zukunft, mehr Perspektive und Hilfe in der Abteilung. „Einen Haken nennst du das? Das ist super! Los, her mit dem Vertrag. Ich möchte unterschreiben, bevor die Chance verstrichen ist!“

Als Rolf und Harald am Abend gemütlich bei einem Bier sitzen meint Harald aus heiterem Himmel: „Ach übrigens, ab Montag sind wir wieder Kollegen. Ich habe unterschrieben.“

(298 Wörter)

Es handelt sich hierbei um eine Fortsetzungsetüde. Die die beiden vorhergehenden Teile findet ihr:

Wiedersehen 1 – hier lang >>>
Wiedersehen 2 – hier lang >>>
Wiedersehen 3 – hier lang >>>

[Etüde] Wiedersehen 3

Eine Etüde zur Schreibeinladung für die Wochen 44 und 45 /2022

3 Begriffe, maximal 300 Wörter

Die Wortspende für die Textwochen stammt von Fundvogelnest. Sie lautet:

Schildkröte
großzügig
flehen

Schreibeinladung 44/45- 2022

Es ist Donnerstag, nach der Schicht und und Rolf hat erfolgreich um ein paar Minuten des viel beschäftigten Vorgesetzten gefleht.
„Harald ist wieder aufgetaucht!“, platzt Rolf wie aus der Pistole geschossen mit der Neuigkeit heraus.
Der Chef lehnt sich in seinem Sessel zurück und fragt nur skeptisch: „Der alte Harald? Unser Harald, der hier so Hals über Kopf gegangen ist und keiner wusste, was da nun los war?“
„Genau der. Ich will nicht lang um den heißen Brei herumreden. Die Tage bin ich Harald wieder begegnet.“ – Er hat damals im Lotto gewonnen und hat deshalb das Arbeiten aufgegeben. Es folgte ein Leben auf großem Fuß und zack war das Geld auch schon wieder alle. Er ist auf der Straße gelandet und ich habe ihn erst einmal wieder mit zu mir nach Hause genommen.“
Der Chef bekommt große Augen. „Das ist wirklich großzügig von dir. Er muss ja auch Essen und und alles.“
„Hey, alten Freunden hilft man doch gern. Aber er braucht wieder einen Job und seine Stelle ist doch nie wieder besetzt worden. – Warum eigentlich?“
Der Chef wirkt mit einem Mal komplett begeistert und man sieht förmlich, wie er sich zusammenreißen muss, um nicht jubelnd aus seinem Sessel heraus zu springen. „Es gab absolut keinen Menschen, der für diesen Job geeignet war. Ich hatte hier Bewerber da, dass könnte ich ein Buch schreiben.“
Kurzes Nachdenken seitens des Chefs. „Ich muss natürlich auf ein Vorstellungespräch mit der Personalleitung bestehen. Aber das wäre reine Formsache. Zu gern würde ich die Stelle wieder besetzen. Und dann noch mit einem, der es kann. Das wäre absolut ideal.“

Schon einen Tag später begibt sich Harald auf den Weg zu seiner alten Firma. Langsam wie eine Schildkröte läuft er durch die altbekannten Flure, um noch etwas Zeit zu schinden. ….

(300 Wörter)

Es handelt sich hierbei um eine Fortsetzungsetüde. Die die beiden vorhergehenden Teile findet ihr:

Wiedersehen 1 – hier lang >>>
Wiedersehen 2 – hier lang >>>

[Etüde] Was machen wir heute?

Eine Etüde zur Schreibeinladung für die Wochen 42 und 43 / 2022

3 Begriffe, maximal 300 Wörter

Die Wortspende für die Textwochen stammt von Monika. Sie lautet:

Billard
aktuell
gestalten

Schreibeinladung 42/43- 2022

„Los komm, lass uns ne Runde Billard spielen. Das haben wir lang nicht gemacht“ fast flehend steht Jens vor seinem Freund Hennes und schaut flehend. „Du bist aktuell wirklich zu allem zu faul. Können wir nicht wenigstens mal einen schönen Abend haben?“
Hennes verdreht die Augen. Sein Freund geht ihm schon seit längerem mit allen möglichen Unternehmungen auf den Nerv. Versteht dieser Actionheld nicht einfach, dass er einfach nur seine Ruhe haben möchte? Dass er seine Freizeit eben ruhiger gestalten will. Ein Gläschen Wein, ein gutes Buch oder ein angenehmes Fernsehprogramm. Mehr will er doch im Moment gar nicht.
„Hennes? Was ist los? Sag schon!“
Hennes seufzt. „Ok, ich zieh mich um. Lass uns Billard spielen gehen.“
„Super“ freut sich Jens. „Das wird toll!“
„Aber Jens“ mahnt Hennes. „Heute machen wir Action und einen drauf. Aber nächste Woche geht es nach meiner Nase und da wird es ruhig. Klar?!“
„Jo, geht klar. Hauptsache heute rollt mal wieder die Kugel.“

(159 Wörter)

[Etüde] Der Ritter ist zu Hause

Eine Etüde zur Schreibeinladung für die Wochen 42 und 43 / 2022

3 Begriffe, maximal 300 Wörter

Die Wortspende für die Textwochen stammt von Monika. Sie lautet:

Billard
aktuell
gestalten

Schreibeinladung 42/43- 2022

Der Ritter ist wieder anwesend. Seine Burg hat ihn wieder und er selber genießt es aktuell sehr, die Annehmlichkeiten einer festen Unterkunft zu nutzen. Da wären das beständige und zugfreie Herdfeuer und das reichhaltige und immer warme Essen. Jetzt kann er sein Leben wieder so gestalten, wie er es gewohnt ist und immer genossen hat. Lange schlafen, Essen, ausruhen und ab und zu mal ein junges Burgfräulein vernaschen. Wenn gerade kein Fräulein zur Hand ist, dann spielt er eben Taschenbillard, wie er es liebevoll nennt. Es bereitet ihm eine wirklich riesige Freude, wenn er unauffällig seine Männlichkeit bearbeitet und um ihn herum bekommt kein Mensch etwas mit. …

(107 Wörter)

[Etüde] Widersehen (Teil 2)

Eine Etüde zur Schreibeinladung für die Wochen 42 und 43 / 2022

3 Begriffe, maximal 300 Wörter

Die Wortspende für die Textwochen stammt von Monika. Sie lautet:

Billard
aktuell
gestalten

Schreibeinladung 42/43- 2022

Hier setze ich meine Etüde aus der letzten Wortspende fort. Der erste Teil ist HIER zu lesen.

Zusammen betreten die beiden Männer Rolf seine Wohnung. Heute Abend werden sie es erst einmal gemütlich angehen.
„Harald, du gehst am besten erst einmal ins Bad. Du weißt ja noch, wo alles ist. Hier hat sich nichts verändert. Geh duschen, wärm dich auf. Ich werde uns was zu Essen machen. Und beim Essen erzählst du mir alles.“
Harald ist dankbar. Schon allein die Wärme der Wohnung hat eine gewisse Anspannung von ihm weichen lassen. „Danke dir. Das brauch ich. Bis gleich.“

Beim Essen ist es zwischen den beiden schon so, als hätten sich ihre Leben nie voneinander entfernt. Es gibt Bratkartoffeln mit Speck, dazu Spiegelei mit Schnitzel. Für Harald ein absolutes Festessen. So etwas Deftiges hat er schon lang nicht mehr gehabt. Er fängt von allein an zu erzählen: „Mit den zwei Millionen wollte ich mein Leben neu gestalten. Deswegen die Kündigung. Ich habe das Häuschen abbezahlt, hab Karin sämtliche Wünsche erfüllt. Wir haben gelebt und plötzlich Freunde gehabt, die ich noch nie gesehen hatte. Das Geld ging weg, wie warme Semmeln. Und als dann nichts mehr ging, war Karin weg, das Haus weg, die Freunde weg.“
Rolf schüttelt den Kopf. „Dieses Weib … Ich hab dir immer gesagt, die nimmt dich nur aus.“
Harald schmunzelt. „Stimmt. Das nützt mir aktuell aber auch nichts. Ich stehe vorm Nichts.“
Rolf haut mit der Faust auf den Tisch. „Ey, wie gesagt, wir schaffen das! Du bleibst erst einmal hier. Das Gästezimmer ist auf unbestimmte Zeit dir. Wir melden dich an und beim Chef frag ich mal, ob du wieder anfangen kannst. Deine Stelle wurde nie wieder besetzt. Der Rest gibt sich.“
Harald lässt den Kopf hängen. „Danke“.
Rolf grinst: „Nicht dafür, mein Freund. Am Wochenende spielen wir Billard! Ich vermisse einen mir ebenbürtigen Gegner!“
Jetzt grinst auch Harald. „Darauf Prost!“

(297 Wörter)

[Etüde] Widersehen

Eine Etüde zur Schreibeinladung für die Wochen 40 und 41 / 2022

3 Begriffe, maximal 300 Wörter

Die Wortspende für die Textwochen stammt von Werner Kastens. Sie lautet:

Zeitlupe
behäbig
verprassen

Schreibeinladung 40/41 – 2022

Rolf war einfach nur fix und fertig. Der Tag war in Zeitlupe vergangen. Die Schicht hat sich wie Kaugummi gezogen und der Feierabend war eine viel zu lange Zeit einfach nicht in Sicht.
Nun ist der Feierabend aber da und Rolf war einer der Letzten, die aus der Dusche gekommen sind. Behäbig und ohne jede Eile läuft er gemütlich durch die Ladenpassage zu seiner Wohnung. Einfach nur noch ein wenig kochen und den restlichen Tag genießen.
Ein zerlumptes menschliches Bündel liegt auf dem Boden vor dem Technikladen. Rolf will mal nicht so sein und kramt eine Euromünze aus der Tasche.
Als die Münze in den Sammelbecher klimpert, richtet sich die Gestalt auf. „Danke der Herr.“
„Kein Ding“ antwortet Rolf und hält inne. „Da brat mir doch einer nen Storch. Harald? Was zum…?“
„Oh fuck“ Harald richtet sich ganz auf und schaut seinen alten Kumpel an.
„Was ist passiert?“ Fragt Rolf. “Verdammt, du hast nen Haufen Geld gewonnen.“
Harald zuckt mit den Schultern. „Ich bin irgendwie durchgedreht. Das Geld war schnell verprasst und meine so genannten Freunde weg.“
Rolf reicht seinem Kumpel die Hand. „Jetzt ist ein alter Freund wieder da. Dir kann geholfen werden. Pack zusammen und komm mit. Wir schaffen das!“

(202 Wörter)

ABC.Etüde 38/39-2022

3 Begriffe, maximal 300 Wörter

Die Wortspende für die Textwochen 38/39des Jahres 2022 stammt von Nellindreams. Sie lautet:

Regentonne
sensibel
schwanken

Schreibeinladung 38/39 – 2022

Kleiner Scherz am Rande
Die Regentonne schwankt sensibel auf ihrem Podest hin und her, als der kleine Junge sie immer und immer anstößt, um sie zu Fall zu bringen. (25 Wörter)

Ok, das war ein Scherz. Die zählt natürlich nicht. Eine ordentliche kommt auch noch 😉

Eine wahre Begebenheit
Ich kann einfach nichts dagegen machen: Ich bin sensibel. Bei der kleinsten Kleinigkeit breche ich in Tränen aus und kann diese dann stundenlang nicht mehr stoppen. Im Nachhinein ist es mir dann peinlich. – Zumindest so spätestens nach der Pubertät.
Ein superpeinlicher Moment in meiner Kindheit ist mir da in Erinnerung geblieben. Nicht besonders angenehm, aber eben in Erinnerung geblieben: Und zwar war das bei meiner Oma im Garten. Es war Hochsommer. Die Sonne knallte vom Himmel und wir Enkel waren mal wieder alle zusammen bei Oma zu Besuch. Uns war langweilig, weil Opa gerade keine Zeit hatte, uns zu bespaßen, also haben wir uns selber beschäftigt. – Wir haben gerangelt, Fangen gespielt und sind durch den Garten getobt. Dadurch wurde uns warm, denn es war ja auch Sommer. Aber als Kinder der DDR brauchten wir kein Schwimmbad. Wir sind zur Abkühlung einfach in die Regentonne gestiegen.
Es war toll! So herrlich frisch, fast wäre ich ein neuer Mensch geworden, wenn mein Cousin nicht wieder angefangen hätte, zu stänkern und zu schupsen. Es kam dann am Ende, wie es kommen musste. Unter unserem Gerangel und Geschubse fing die Tonne erst an gefährlich zu schwanken. Wir versuchten noch, das Ganze mit unserem Gewicht wieder ins Lot zu bringen, aber geschafft haben wir es nicht.
Die Tonne fiel um und das ganze schöne kühle Gießwasser floss unkontrolliert auf den eh schon dörren Rasen und versickerte dort auf Nimmerwiedersehen.
Opa hätte das Wasser für seinen Kürbis gebraucht. Er war auf gutem Weg, den größten Kürbis für den Wettbewerb heranzuzüchten. Das wurde dann in diesem Jahr nichts. – Man, war mir das peinlich. Noch heute muss ich immer wieder an diese Geschichte denken, wenn ich einen Kürbis sehe. (281 Wörter)

Extraetüde 22.2020

6 Begriffe, 5 davon müssen benutzt werden, maximal 500 Wörter

Die Wortspende lautet:

Giraffe / mondsüchtig / suchen / Wetterbericht / ordentlich / irisieren

Schreibeinladung 22 – 2022

Die mondsüchtige Giraffe

Im örtlichen Zoo lebt eine Giraffe, die einfach anders ist, als andere. Der Wärter musste sie schon so oft suchen, dass er im Geheimen schon hofft, dass er sie eines Tages mal nicht mehr findet und ein neues Tier angeschafft werden muss. – Nur wo die Giraffe dann immer hin verschwindet, das weiß niemand. Niemand außer ich!

Ich will mal nicht so sein und mein Geheimnis mit euch teilen:
Also, die Giraffe ist nicht ganz normal. Sie ist schlicht und ergreifend mondsüchtig. Sie verfolgt den Wetterbericht. – Den Wetterbericht, der nebenan, im Elefantenhaus immer läuft. Die Elefantenpflegerin ist eine Esoterikerin und hat da einen ganz speziellen Wetterbericht, der auch die Mondphasen ansagt. Und ganz genau darauf hat es unsere Giraffe abgesehen. – Sie liebt den Vollmond.
Wenn nun also so ein Vollmond ist, dann tritt sie immer ins Freie, sie dreht ihren Kopf genau dem Vollmond zu und blickt ganz verträumt auf die große leuchtende Kugel am Himmel. Ihre Augen fangen dann an, ganz seltsam zu irisieren und die Giraffe schwankt, als hätte sie einen zu viel getrunken. – Und ganz genau, in diesem Zustand, da ist einfach alles möglich. Es kann sogar sein, dass unsere eigentlich riesige Giraffe in einem Mauseloch verschwindet.
Da kann sie der Pfleger natürlich nicht finden. Oder wie seht ihr das?

(212 Wörter)

ABC.Etüde 16/17-2022

3 Begriffe, maximal 300 Wörter

Die Wortspende für die Textwochen 16/17 des Jahres 2022 stammt von Ludwig Zeidler. Sie lautet:

Königskuchen
akribisch
Träumen

Schreibeinladung 16/17 – 2022

6. Januar

Der 6. Januar in jedem Jahr ist der Tag der Heiligen Drei Könige. Hauptsächlich zelebriert werden hier die Bräuche in den katholischen Regionen. In meinem Fall wäre das Eichsfeld, was jetzt so weit nicht weg ist von hier. – Ich selber kenne das alles nur vom Hörensagen. Es kommt ja bei mir auch noch erschwerend hinzu, dass ich von klein auf mit Kirchens nicht so wirklich was am Hut hatte.

Neben den drei Königen, die von Haus zu Haus ziehen und den Häusern und ihren Bewohnern Segen bringen, backt man in vielen Haushalten auch einen Königskuchen.
Jede Familie hat da so ihr ganz eigenes Rezept. Immer und immer wieder werden die Zutaten akribisch genau abgemessen, gewogen, vermengt und dann gebacken. Damit der Kuchen auch immer wieder gleich schmeckt und immer wieder von den gleichen Träumen begleitet wird.
Hier träumt dann wohl jeder so seinen eigenen Traum. Jeder hat ja schließlich auch seine ganz eigenen Wünsche.

(155 Wörter)

ABC.Etüde 16/17-2022

3 Begriffe, maximal 300 Wörter

Die Wortspende für die Textwochen 16/17 des Jahres 2022 stammt von Ludwig Zeidler. Sie lautet:

Königskuchen
akribisch
Träumen

Schreibeinladung 16/17 – 2022

Mein Traum

In der vergangenen Nacht hatte ich einen Traum:
Ich hatte den Jackpot beim Lotto geknackt und das Geld erhalten. Zeit genug, mir meinen großen Traum, von Ruhe in der Nachbarschaft, zu erfüllen. – Was habe ich gemacht?
Ich habe einfach Haus und Grundstück vom Nachbarn abgekauft. Für einen vollkommen überzogenen Preis, aber ich wollte es unbedingt haben und diese Leute und ihre übelst lauten Enkel loswerden.
Als das Grundstück dann meines war, habe ich sein Wohnhaus und seine ganzen Gewächshäuser und akribisch angelegten Beete entfernt und eingeebnet. Erst einmal habe ich aus allem einfach nur eine riesige grüne Wiese gemacht. Darauf gab es wilde Inseln. Einzelne Areale, auf denen das Gras nicht getrimmt oder gemäht wurde. Hier durften Wildblumen wachsen, wuchern und gedeien, wie sie es eben gern gehabt hätten. Und das taten sie. Himmel, sah das herrlich aus. Und als ob das noch nicht genug war, hatte ich Bienenstöcke platziert und konnte so ganz nebenbei noch meinen eigenen Honig ernten und im Ort verkaufen.
Seinen Pool, der eigentlich Lärmverursacher, habe ich stehen lassen. Da konnte ich mich ja nun selber dran aalen, wenn es warm war.

Es war nur ein Traum. Aber träumen wird ja noch erlaubt sein. Und, wer weiß, wenn ich dann vielleicht wirklich mal Lotto spielen sollte, wird dieser Traum auch noch wahr. Man weiß ja nie.
So Leute, genug von meinem Traum, es gibt Kaffee. Ich habe einen Königskuchen gebacken.

(234 Wörter)