[Rezensionsexemplar] Mike Landin – „Die Flucht“

Mike Landin
„Flucht“
Verlag: BoD
ISBN: 9-783-755-79018-1
Länge: 213 Seiten

  • gelesen im Februar 2022 –

Dieses Buch wurde mir vom Autor selber als Rezensionsexemplar angeboten und ich habe es dankend angenommen. Das Grundthema allein hat mich schon sehr interessiert.
Der Umstand, dass ich dieses Buch kostenfrei bekommen habe, hat meine Meinung in keiner Weise beeinflusst.

Klappentext: Trister DDR-Alltag Ende der 1970-er Jahre. Von der Freundin verlassen, ertränkt der junge Journalist Martin seinen Frust im Alkohol. Doch dann zwingen ihn eine schicksalhafte Begegnung, ein ungewolltes Versprechen und eine neue Liebe zu einer Odyssee durch die Zeit. Erst vier Jahrzehnte später, als ein junger Mann vor zwei einsamen Gräbern steht, findet diese ein Ende. Martin ist da schon seit vielen Jahren tot. (Quelle: Lovelybooks.de)

Inhalt: Martin ist auf Recherchebesuch im Stasi-Knast, wo er einen Gefangenen als einen alten Freund wiedererkennt. Er gibt ihm das Versprechen, seine Tochter in die Freiheit zu schaffen, was Martin dann noch viele Jahre lang beschäftigen wird.
Delphin, die Tochter, wird erwachsen. Mit 18 Jahren ist sie hochschwanger und die Situation bei ihr zu Hause eskaliert, als ihre Mutter ihren zweiten Mann umbringt und dessen Sohn dann Rache nehmen will. Erst bringt er die Mutter um, dann ist er hinter Delphin her.
Martin rettet Delphin aus den Fängen ihres Stiefbruders und will sie mit auf seine Flucht nehmen. Es beginnt eine Hetzjagd durch die DDR. Nicht nur Roman, der Stiefbruder, ist hinter ihnen her, sondern auch die Stasi.

Viele Jahre später lässt Roman die Geflüchteten noch immer nicht in Ruhe. Die Vergangenheit holt sie wieder ein und der Sohn von Delphin erfährt die ganze Wahrheit über sich, seine Mutter und seine Vergangenheit.

Fazit: Oha, dieses Buch ist kurz, aber alles andere als leichte Literatur. Auch wenn es sich hier um einen Roman handelt, kann es trotz allem genau so passiert sein. – Ich war von Anfang bis Ende gefesselt und konnte kaum von dem Stoff lassen.

Schon zu Beginn habe ich ganz genau diese düstere DDR-Stimmung gespürt. Dieser marode Staat wurde nicht so explizit beschrieben, kam aber genau so rüber. Alles scheint irgendwie gelenkt zu werden. Der Einzelne glaubt, seinen Job nach bestem Wissen und Gewissen zu machen, weiß aber ganz genau, dass dem eben nicht so ist. Da hat der Autor mit dem Journalismus ein wirklich sehr markantes Beispiel raus geholt. Die Presse war nicht frei. Zwar war der Protagonist auf Recherchereise, aber es wurde ihm eben am Ende doch diktiert, was er zu schreiben hatte. – Ein wirklich sehr bildhaftes Beispiel für die nicht vorhandene Meinungsfreiheit in der DDR.
Diese Recherchereise ist so etwas wie ein Aufhänger für die eigentliche Story. Denn durch sie kommen die Antagonisten ins Spiel. Die Leute, die sich dann jahrelang als Fluchthelfer betätigen, sich immer wieder der Gefahr aussetzen und so selber jede Menge Lebensqualität einbüßen.
Von Anfang an konnte ich nicht glauben, dass eine Mutter ihrer Tochter wirklich so ein Stiefvater antut. Auch in der DDR wurde dir nicht vorgeschrieben, wen du heiraten darfst. So schlimm war das System nun wieder nicht. Von daher hätte die Mutter diesen komischen und gewalttätigen Mann mit seinem Sohn nicht in ihr Leben lassen müssen.
Dass die Tochter mit 18 Jahren schon kurz der Entbindung ihres ersten Kindes steht, war dann allerdings nicht wirklich unüblich. Damals war man der Meinung, mit zwanzig Jahren schon spät gebärend zu sein. – So gesehen war die ganze Story schon auch irgendwie richtig gut recherchiert und glaubhaft konstruiehrt. Wohl auch so ein Faktor, der zu Glaubhaftigkeit beigetragen hat und somit die Faszination hochgetrieben hat.
Dieses ganze Durcheinander mit der Flucht vor diesem Roman und der Stasi gleichzeitig hat eine wahnsinnige Spannung erzeugt. Ich habe öfter mal die Luft angehalten, wenn es knapp war. Dann habe ich nicht verstanden, warum mittendrin so ein Alleingang von diesem Claus war und dann diese hochdramatische Flucht. – Von da an habe ich mich bis zum Ende gefragt, was denn nun aus Delphin geworden ist. Mit dieser Auflösung hat der Autor wirklich bis zum Ende gewartet und mich damit noch einmal extra bei der Stange gehalten.
Die ganze Story war in angenehm kurzen Kapiteln gehalten, die dann noch komplett übersichtlich in Absätzen unterteilt waren. Dadurch konnte ich der Story wirklich richtig gut folgen und die einzelnen Szenen für mich zu einem schlüssigen und gut verständlichen Film zusammensetzen.
Alles war so beschrieben, dass man alle nötigen Infos bekommen hat, ohne dass die Handlung zum Stehen kam. Es ging kontinuierlich immer schön vorwärts und ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, auf der Stelle zu treten. Somit gab es auch keine Langeweile. Außerdem hatte ich die ganze Zeit einen wirklich authentischen Film vor meinem geistigen Auge, der auch noch mit der vollen Ladung Gefühle gespickt war. Nicht selten hatte ich die Schockmomente der handelnden Personen oder eben Gänsehaut am ganzen Körper. – Gerade am Ende hatte ich wirklich die komplette Erpelfolie.
Das Ende ist ein abgeschlossenes Ende, birgt aber auch durchaus noch Raum für eine Art Fortsetzung. Das Schicksal der Fluchthelfer, des Kindes und der Mutter, sind geklärt, aber dann kommt ja noch eine verschwunden geglaubte Person in die Handlung zurück. Darauf könnte man durchaus noch aufbauen und ein Buch über dessen Erlebnisse, Gedanken, und Zukunft schreiben.
Dieses Buch hat mich gepackt, mich ein Stück weit in meine Kindheit zurückversetzt und mich für das Thema „Flucht“ irgendwie sensibilisiert. Super geschrieben, spannend erzählt und absolut aus der Geschichte.

Ich bewerte das Buch mit 5 von 5 möglichen Sternen.
Ich war und bin von Anfang bis Ende komplett überzeugt. Ich war gefesselt, wollte unbedingt wissen, wie es den Protagonisten und Antagonisten ergeht und habe komplett mit gefiebert. Es bleiben einige offene Fragen zurück, aber ans ich ist das Buch rundherum in sich geschlossen und hat mich von Anfang bis Ende begeistert.

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