[Hörbuch] Donna W. Cross – „Die Päpstin“

Donna W. Cross
“Die Päpstin”
Verlag: Der Audio Verlag
ISBN: 9-783-898-13069-1
Länge: 20 Stunden 12 Minuten
Sprecherin: Gabriele Blum

– gehört im Juni 2021 –

Gehört hatte ich von diesem Werk schon öfter mal was. Ich habe mich nur nicht so recht ran getraut, weil es als sehr gewaltig galt. – Dem war auch so.

Klappentext: Die atemberaubende und bewegende Geschichte einer einzigartigen Frau: Der Aufstieg der Johanna von Ingelheim (Johanna Wokalek), die als Mann verkleidet in die höchsten Ränge des Römischen Klerus gelangt. Bis sich zeigt, dass die Liebe ändere Pläne mit der „Päpstin“ hat …Das Filmhörspiel zur aufwändigen Kinoproduktion macht das Schicksal der Päpstin auf atemberaubende Weise hörbar: Die Stimmen der Stars, die Original-Filmmusik und atmosphärische Soundcollagen lassen das Mittelalter, die Machtspiele der Kirche und die Freiheit der Liebe in opulenten Klangbildern vor unseren Ohren auferstehen. (Quelle: Lovelybooks.de)

Inhalt: Johanna ist die ungeliebte Tochter eines Predigers in einem kleinen Dorf. Hinzu kommt noch, dass ihre Mutter eine Heidin ist, die ihr Vater von einer seiner Bekehrung Reisen mitgebracht hat. Diese Frau ist gezwungenermaßen zu seiner Frau geworden, gebar ihm zwei Söhne und eine Tochter.
Die Söhne bekommen jede nur erdenklich Ausbildung, derer man in dem kleinen Dorf habhaft werden kann. Die Tochter jedoch soll dumm gehalten werden.
Die Tochter aber ist blitzgescheit und ihrer Zeit weit voraus. Die ersten Schreibübungen macht sie mit ihrem älteren Bruder, ohne das Wissen des Vaters. Doch als der Bruder an einem Fieber stirbt, bekommt Johanna die schuld. Sie hat sich durch ihren Drang nach Bildung gotteslästerlich verhalten und das ist die Strafe.
Johanna hat schwer unter dem Vater zu leiden. Sie strebt nach Bildung, nach Wissen, bekommt sie stellenweise auch, wird aber immer wieder wegen ihrer Weiblichkeit ausgebremst.
Doch Johanna geht nach einem Schicksalsschlag ihren Weg als Johann weiter. Sie bildet sich weiter, landet in einem Kloster, dann in Rom und am Ende sogar auf dem Papststuhl. – Ihre verloren geglaubte Liebe trifft sie dort wieder und ist nun in einem Zwiespalt.
Johanna war ihrer Zeit weit voraus und musste sich ihren weg quasi heimtückisch erschleichen.

Fazit: Ein gewaltiges Werk. Monumental, ausführlich und sehr lehrreich. Viel wissenswertes über das Leben und die Werte im 9. Jahrhundert und ein Charakter der sprichwörtlich über sich hinaus wächst.
Von Anfang an landet der Hörer in einer sehr glaubhaften und authentischen Story. Es kommt von Anfang an rüber, wie fanatisch gläubig die Menschen zu damaliger Zeit waren. Alles wurde Gott zugeschrieben, weil die Wissenschaft eben noch nicht so weit war, viele zu erklären.
Die Protagonistin dieses Buches hat mir mehr als leid getan. Wenn ich mir vorstelle, nichts wert zu sein, nur weil ich ein Mädchen geworden bin. Heutzutage nicht denkbar und damals grausame Realität. Es war sehr glaubhaft dargestellt, wie sehr der Vater die Söhne in die gebildete Schiene pressen wollte, der eine Sohn dafür aber so gar nicht geeignet war. Wohingegen Johanna von Anfang an eine überdurchschnittliche Intelligenz gezeigt hat, aber keine Bildung haben sollte, eben weil sie weiblich war.
Im weiteren Lebensweg stieg meine Bewunderung für Johanna mehr und mehr. Sie hat die ganze Zeit mit ihrem Tod gespielt. Zumindest ab dem Zeitpunkt, da sie sich als Mann ausgegeben hat. Ständig lief sie Gefahr, entdeckt zu werden und dann einen grausamen Tod erleiden zu müssen. Wie selbstgerecht und überheblich die Männer seinerzeit waren hat mich förmlich auf die Palme gebracht.
Nebenher erfährt der Leser sehr viel über die Kirche, die ganzen Festlichkeiten und Bräuche und am Ende dann auch über das Leben des Papstes. Ob das heute auch noch so eng getimt ist, entzieht sich meiner Kenntnis, aber für mich klingt das nicht gerade wie ein Traumjob.
In jedem Fall merkt man deutlich, was für eine grandiose Entwicklung die Protagonistin im Laufe ihres Lebens durchmacht, wie sie mit ihrer Intelligenz so manchen Mann in seine Schranken weist und wie sie am Ende doch ihre Weiblichkeit nicht immer hinten an stellen kann. – Ich hätte mir ein anderes Ende gewünscht, aber der große Paukenschlag kommt dann auf jeden Fall noch einmal. Einer der mich durchaus für die Menschheit zu damaliger Zeit, durchaus hoffen lies.

Gabriele Blum macht als Sprecherin einen wirklich großartigen Job. Ruhig und sachlich, mit sauberer Aussprache und einem angenehmen Lesetempo hat sie das wirklich dicke Buch eingesprochen. – Wenn ich diesen Stoff hätte lesen müssen, hätte ich die Sache mit Sicherheit abgebrochen. Selber lesen wäre mir eindeutig zu mühsam gewesen. Wenn man den Stoff allerdings hört, kann man sich sehr gut in die Charaktere hinein versetzen. Ich hatte die ganze Zeit ein wirklich ehrliches und später ein sehr farbenprächtiges Kopfkino vor meinem geistigen Auge und habe über diese ganzen kirchlichen Rieten mehr als einmal den Kopf geschüttelt.
Trotzdem die ganze Zeit viele Dinge erklärt wurden, wahrscheinlich um sie auch verständlicher zu machen, floss die Handlung immer weiter in einem gemächlichen, aber stetigen Tempo dahin. Es gab keine langweiligen Längen und es waren keine unnötigen Nebenhandlungen eingebaut. Die Nebenhandlungen waren eher spärlich gesät und haben sich dann immer ziemlich schnell in die Haupthandlung eingefügt.
Einzig mit den ganzen Namen hatte ich ein paar Probleme, aber das war auch nur am Anfang so. Ich hatte mich schnell an die teilweise wirklich seltsamen Namen gewöhnt und hatte auf diese Weise umso schneller mein Hörvergnügen.

Ich bewerte dieses Buch mit den vollen 5 von 5 möglichen Sternen.
Ein gewaltiges, ein umfangreiche, ein lehrreiches und in jedem Fall gut recherchiertes Werk. Zwar mit kirchlichem Kernthema aber auf jeden Fall interessant und in keiner Weise langweilig. – Ich war in jedem Fall hochgradig begeistert.

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