[Hörbuch] Matt Haig – „Die Mitternachtsbibliothek“

Matt Haig
“Die Mitternachtsbibliothek”
Verlag: Argon Verlag
ISBN: 9-783-732-41852-7
Länge: 8 Stunden 21 Minuten
Sprecherin: Annette Frier

– gehört im März 2021-

Klappentext: Stell dir vor, auf dem Weg ins Jenseits gäbe es eine riesige Bibliothek, gesäumt mit all den Leben, die du hättest führen können. Buch für Buch gefüllt mit den Wegen, die deiner hätten sein können. Hier findet sich Nora Seed wieder, nachdem sie aus lauter Verzweiflung beschlossen hat, sich das Leben zu nehmen. An diesem Ort, an dem die Uhrzeiger immer auf Mitternacht stehen, eröffnet sich für Nora plötzlich die Möglichkeit herauszufinden, was passiert wäre, wenn sie sich anders entschieden hätte. Jedes Buch in der Mitternachtsbibliothek bringt sie in ein anderes Leben, in eine andere Welt, in der sie sich zurechtfinden muss. Aber kann man in einem anderen Leben glücklich werden, wenn man weiß, dass es nicht das eigene ist? (Quelle: Lovelybooks.de)

Inhalt: Nora Seed ihr Leben schwimmt ihr gerade davon. Sie verliert ihren Job, ihr einziger Klavierschüler scheint nicht mehr kommen zu wollen und auch ihr Nachbar braucht ihre Hilfe nicht mehr. Da sie auch mit ihrem Bruder und den ehemaligen Bandkollegen auf Kriegsfuß steht, ist sie der Meinung, dass sie sich mit Hilfe ihrer vorrätigen Medikamente auch umbringen kann.
Doch es stirbt sich nicht so einfach, dann in der Zwischenwelt zwischen Leben und Tod macht Nora Halt in der Mitternachtsbibliothek. Hier trifft sie auf viele grüne Bücher angefüllt mit allen möglichen Leben, die sie hätte führen können, wenn ihre Entscheidung eine andere gewesen wäre.
Nora kann einige Leben ausprobieren. So lang, bis ihr Körper endliche eine Entscheidung fordert. Will sie leben oder will sie sterben. – Nun ist es an Nora, ihre Entscheidung zu treffen.

Fazit: Es ist mal mega klar, dass ich auch hier etwas ganz anderes bekommen habe, als ich es mir erhofft hatte. Zunächst habe ich nur den Titel gelesen und war auf Fantasy und große Abenteuer gehofft. – Bekommen habe ich aber ein auf eine ganz andere Weise spannendes Werk.
Gleich von Anfang an geht es richtig rein in die Geschichte. Ich habe Nora Seed und ihre Probleme kennen gelernt und wurde erst einmal nicht richtig warm. Nicht mit der Protagonistin und nicht mit der Story selber. Es hat einfach seine Zeit gedauert, bis ich so angekommen war, dass ich eben mitbekommen habe, dass es sich hier nicht um Fantasy, sondern vielmehr um Philosophie handelt.
Nora Seed ist ein Charakter, den man nicht gleich von Anfang an durchschaut. Erst nach und nach wird klar, dass diese Frau nicht mehr alle Latten am Zaun hat. Erst nach und nach kristallisiert sich auch heraus, warum genau sie in der Situation ist, in der sie gerade steckt. Allerdings wusste ich nicht wirklich, ob sie mir leid tun soll, oder eben nicht. – Ich habe mich, aber eben erst am Ende, für Hochachtung entschieden. Sie trifft eine Entscheidung, die Folgen hat. Diese sind so genau jetzt nicht beschrieben, aber ich konnte mir da vieles vorstellen.
Diese Vorstellung, dass man in andere mögliche Leben hineinschlüpfen kann, dass man durchlebt was man erlebt hätte, wenn man andere Entscheidungen getroffen hätte, ist irgendwie gruselig. Es hat mir persönlich  klar gemacht, dass jede noch so kleine Entscheidung ungeahnte Folgen haben kann. Ich meine, wir treffen doch jeden Tag irgendwelche Entscheidungen. Und jede noch so kleine Entscheidung gibt ein neues Buch in der Bibliothek. – nein, möchte ich nicht wirklich durchmachen müssen. Aber in jedem Fall eine gigantische Metapher für das Leben und seine Entscheidungen.

Alles ist einfach und flüssig erzählt. Die Story hat an keiner Stelle irgendwelche leeren Längen, die Langeweile hätten aufkommen lassen. Vielmehr gab es hochinteressante Überleitungen ins nächste Leben. Und das war eine Vielfalt von Leben, die man sich als Autor dann so auch erst einmal einfallen lassen muss.
Viele Leben bedeuten aber eben auch viele Namen. Mit denen hatte ich hier allerdings nicht so wirklich Probleme. Und das trotz Namensschwäche. Es war halt alles wunderbar zugeordnet und hatte so seine Ordnung. Und die Hauptpersonen kamen dann in jeder Story vor, sodass ich die wichtigen Leute immer sofort wiedererkannt habe.
Ich hatte am Ende sogar ein wunderbares Kopfkino vor Augen. Das eine Leben, welches zum Schluss noch einmal ausführlich beschrieben wurde, hat mir so gut gefallen, dass ich mir das für die die Protagonistin als Dauerzustand gewünscht hätte. Aber so funktioniert die Mitternachtsbibliothek nicht. Also hat alles so geendet, wie es eben geendet hat.

Mich hat ja auch zum Buch greifen lassen, dass ich mir Annette Frier absolut nicht als Hörbuchsprecherin vorstellen konnte. In ihren mir bisher bekannten Rollen war sie dafür einfach zu quirlig und aufgedreht. – Aber sie hat ihren Job einfach super gemacht. Klare Stimme, super betont und nicht übertrieben viele Stimmlagen einfließen lassen. Das hat mir gefallen. Klar und sachlich und die Gefühle sind in den Händen bzw. im Kopf des Hörers geblieben und entstanden. Genau so, wie ich  mir das bei einem guten Buch vorstelle. Dass der Leser bzw. Hörer schon so ein klein wenig auch selber mitmachen muss.

Ich  bewerte das Buch mit den vollen 5 von 5 möglichen Sternen.
Von der anfänglichen Verwirrung bzw. Enttäuschung bin ich schnell weg gekommen und es ist einfach nur noch das pure Interesse daraus geworden.
Die Länge war angenehm, sodass nicht alles in die Länge gezogen wirkte. Es wurde erklärt, was nötig war und der Rest wurde dem Leser bzw. Hörer überlassen. – Klasse Sache das. Manchmal stößt man eben auch durch Zufall auf Buchperlen.

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