[Buch] C. Assher-Pinkhof & M. Zaeri-Esfahani – „Sternenkinder“

Clara Assher-Pinkhof & Mehrdad Zaeri-Esfahani
„Sternenkinder“
Verlag: Dressler
ISBN: 9-783-791-50106-2
Seiten: 288

– eine Rezension aus der Kramkiste –

Auf dem Cover habe ich zunächst einmal nur Augen gesehen. Ein altes Foto von einem Kind ist abgedruckt. Das Kind hat große, dunkle Augen. Schwer zu sagen, ob sie jetzt leer oder hoffnungsvoll sind. Das Kind selber sieht jedenfalls nicht besonders glücklich aus. Dieser Eindruck wird durch das Kind im Hintergrund noch unterstrichen. Betreten, fast beschämt, blickt es zu Boden.

Klappentext: Zutiefst berührend: Kindersicht auf die Gräuel des Nationalsozialismus.
„Sternkinder“, das waren die jüdischen Kinder, die unter den Nationalsozialisten den Davidstern tragen mussten. Wie ihre Eltern und Großeltern erfuhren sie die Schrecken der Konzentrationslager, und verstanden doch oft nicht, was mit ihnen geschah. Clara Asscher-Pinkhof, die selbst deportiert wurde und nur durch großes Glück überlebte, beschreibt die Verfolgung durch die Augen der Kinder und findet so besonders eindringliche Bilder. Die Neuausgabe erscheint zum 80. Jahrestag der Reichspogromnacht mit neuem Cover und einem Vorwort von Ronald Leopold, dem Leiters des Anne-Frank-Hauses Amsterdam.
Das früheste Dokument über das Schicksal jüdischer Kinder und nationalsozialistischer Gewaltherrschaft ist ein erschütterndes Zeitzeugnis wie das »Tagebuch der Anne Frank«. (Quelle: Lovelybooks.de)

Inhalt: Clara, ein jüdisches Mädchen in den Niederlanden, allein und ohne ihre Eltern. Sie wird deportiert, überlebt die Hölle in den Konzentrationslagern und hat das Glück mit dem einzigen Austauschtransport nach Palästina zu kommen. – Kaum zu fassen ist ihr Glück, als sie das Lager in der 250 Menschen starken Gruppe verlässt, in einem sauberen Bett mit Laken schlafen kann, genug zu Essen bekommt und dann auch noch in einem normalen Personenzug fährt, der sogar einen Speisewagen mit Porzellangeschirr hat.
Clara hatte Glück!
Dazu gibt es in diesem Buch aber auch jede Menge Leid zu lesen. Das Leid der Wartenden, das Leid von Hunger und Krankheit und Verlust von Hab und Gut. Der schlimmste Verlust war wohl die aberkannte Würde.

Fazit: Meine Ausgabe wurde im Jahre 2010 neu von Mirjam Pressler übersetzt, die aus Respekt der Autorin gegenüber nichts verändert hat. Alles ist so gelassen, wie es Clara Asscher-Pinkhof, selber eines der Sternenkinder, einst niedergeschrieben hat.
Als Sternenkinder werden hier all jene beschrieben, die auf Beschluss des Reichskanzlers, den gelben Judenstern auf ihren Sachen tragen mussten. Die Kinder waren stolz auf ihren Stern. So stolz wie man nur zu einem Glauben stehen kann. Unwissend, was danach noch für Repressalien auf sie zukommen sollten.
Die Geschichte der Sternenkinder ist in mehrere große Abschnitte und viele kleine Kapitel unterteilt. In „Sternenstadt“ geht es um das Leben in einem Judenviertel. Darum, dass hier die Nahrung bereits knapp war. Um die Verbote, mit denen den jüdischen Leuten das Leben zur Hölle gemacht wurde und um das eine oder andere Einzelschicksal. Im Anschluss ließt man dann vom „Sternenhaus“. Hierbei handelt es sich um die Holländische Schouwburg. Ein Theater und Veranstaltungsort. Die Nazis haben es umfunktioniert als Sammellager für alle aufgegriffenen Juden. Hier wurden sie unter erbärmlichsten Bedingungen festgehalten und haben auf ihren Abtransport in die Konzentrationslager gewartet. Die Konzentrationslager werden hier als „Sternenwüste“ bezeichnet. Die Rede ist hier vom Durchgangslager Westerbork. Im Sommer eine staubig trockene Wüste und bei Regen eine einzige Schlammlandschaft. Von hier aus ging es für die internierten in wöchentlichen Transporten weiter nach Polen. Als „Sternenhölle“ wird das ehemalige Austauschlager Bergen-Belsen bezeichnet. In Wahrheit war es auch nur ein Arbeitslager, wie alle anderen auch. Denn tatsächlich fand nur ein einziger Austauschtransport statt.
Die Autorin selber hatte Glück, in diesem Transport zu landen und beschreibt die Ungläubigkeit, das Hoffen und Bangn und die immer wieder zerstörten Hoffnungen. Besonders rührig war es, als ich dann am Ende ihre Erleichterung aus dem Text heraus spüren konnte, dass sie wirklich nach Palästina kommen sollten.

Das Hardcoverbuch war durch seine Steifheit leicht unhandlich. Aber es war nicht besonders schwer, da nicht sehr viele Seiten zu lesen waren.
Die qualitativ hochwertige Bindung hat es auch leichter zu handeln gemacht. Ich musste nicht ständig Angst haben, dass mir die Seiten heraus fliegen würden oder ähnliches.
Textgröße und Seitenabstand waren sehr augenfreundlich. Zwei Nachmittage Dauerlesen, als ich Urlaub hatte, und schon hatte ich das Buch durch.
Anfangs hatte ich mit dem Text so meine Schwierigkeiten. Das lag zum einen daran, dass das Buch anders geschrieben war, als ich es erwartet hatte. Zum anderen fand ich die Wortwahl der Autorin stellenweise aber auch sehr blumig. Vielleicht nicht immer passend zum Thema, aber dann auch wieder hochgradig authentisch, weil man schon gemerkt hatte, dass die hier aufgezählten Fakten nicht von ungefähr kommen.

Laut dem Klappentext handelt es sich hier um ein Jugendbuch. – Ich finde, dann sollte es auch von der Jugen gelesen werden. Und zwar in der Schule!!!!

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